Buchtipp - Liebe macht blind
“Mattscheibe” von Jürgen Bertram. Da kommt man aus dem Staunen nicht
mehr heraus, wie die öffentlich-rechtlichen zum Spielball von Politik
und Wirtschaft geworden sind, und solche Editwars in der Wikipedia
wundern einen gar nicht mehr. Auch die Kämpfe zwischen SPD und CDU
sind in den Rundfunkanstalten anscheinend seit ihrer Gründung Gang
und Gäbe.
Auszüge:
“‘Die Gefahren einer parteipolitischen Einflussnahme’, befürchtet
Greene [Verantwortlicher der britischen Besatzer für die Gründung des
ÖR-Rundfunks] in seiner Abschiedsrede, ’sind etwas versteckter und
heimtückischer, und es gibt wahrscheinlich in allen Parteien
kurzsichtige Menschen, die für ihre eigene Partei die Vorherrschaft
im Rundfunk wünschen.’”
(Adenauer, 50er Jahre): “Der Rundfunk sei eine ‘Hinterlassenschaft
der britischen Besatzung.’ (…) Die Briten, so der rheinische
Machtmensch, hätten den Sozialdemokraten einen zu großen Einfluss
verschafft, ‘und an dieser harten Nuss knabbern wir heute noch. Aber
ich hoffe, dass diese Nuss geknackt wird…’ ”
(ca 70er Jahre) “Nun ist die SPD-Spitze allerdings durch eine Gruppe
von NDR-Kollegen verwöhnt, die in regelmäßig tagenden
‘Freundeskreisen’ beratschlagen, wie man sozialdemokratische
Positionen möglichst geschickt im Programm platziert und wie man
geräuschlos die attraktiven und damit lukrativen Proporz-Posten unter
sich aufteilt. Wenn die CDU ihre Leute in die Anstalten schleust, so
ihr Argument, dann müsse die SPD dagegenhalten. Taktisch klingt das
sogar plausibel. Für das Programm ist es verheerend.
(…)
Beim NDR sind die Redakteuere, di e der CDU angehören (…), damals
in der Minderheit. (…) Beide politischen Gruppierungen existieren
nebeneinander her, beobachten sich misstrauisch, kommunizieren nur
miteinander, wenn es unbedingt sein muss. Heute würde man sagen, sie
leben als Parallel-Gesellschaften unter einem Dach.”
“Für die beim NDR in Loktedt angesiedelte Redaktion ARD Aktuell (…)
produziere ich einen Beitrag über einen norwegischen
Kriegsdienstverweigerer, der wegen seiner Haltung vor einem Osloer
Gericht steht. Der neue, dem CSU-Lager zuzurechnende
Aktuell-Chefredakteur Edmung Gruber (…) liest aus meinem Text
Sympathie für den jungen Mann heraus. Im Stile eines
Verfassungsschützers befragt er mich in seinem Dienstzimmer nach
meiner politischen Haltung und meiner Position zum Grundgesetz, und
für den Fall, dass ich mich von dem Angeklagten nicht deutlich
distanziere, droht er damit, die Story zu kippen.”
(Der Spiegel, ca 1984) “Unverfroren haben machtbewußte Politiker
willfährige Parteigänger in Schlüsselpositionen befördert. Jetzt
werden die Folgen sichtbar: Überall in den Redaktionen gedeihen
Einschüchterung und Selbstzensur.”
(Und heute: Marienhof, INSM, etc… Gottschalk zu Product Placement:)
“Nur über diesen Service sei es möglich, Superstars zu engagieren”.
Es sei ihm “doch völlig egal, ob Will Smith eine Audi-Mütze trägt
oder Montoya eine von Mercedes. Huptsache, sie kommen in die Show.
Darauf, nur darauf kommt es an”.
Man fragt sich, wozu man noch GEZ zahlt…
my 2 cents
Stefan