liebe> Für viele gibt es derzeit wohl vor allem ein Umstiegsargument auf
> > > Linux, nämlich dass die Sachen _mindestens_ so gut sein müssen, wie
> > > der ganze MS-Kram und das die Benutzung nicht schwieriger ist, als
> > > unter Windows. Und das ist imho noch lange nicht der Fall, denn
> > > leider werden DAU-taugliche Windows-Programme häufig nur halbherzig
> > > kopiert oder nachempfunden, anstatt selbst etwas eigenes zu
> > > entwicklen. An den passenden Entwicklungstools fehlt es sicherlich
> > > nicht…
> > Irgendwie wiederspricht sich das. Einerseits willst Du DAU-taugliche
> > Programme, die besser sind als Windows Originale und die jeder
> > windows-gewöhnte DAU sofort bedienen kann, andererseits sollen die
> > Leute aber selbst etwas völlig eigenes Entwickeln.
>
> Okay, ich habs vieleicht falsch ausgedrückt. Anstatt sich auf ein
> eigenes (möglicherweise an MacOS, BeOS o.ä.) Design-Konzept zu
> konzentrieren, versucht man die (IMHO schlechte) Windows-GUI
> nachzuempfinden.
> Eine gute GUI versteht man jeder, egal ob man nun zum ersten mal vor
> dem Rchner sitzt oder aus der Windows-Welt kommt.
Es gibt doch zig verschiedene GUI unter Linux. Nimm doch einfach
nicht KDE und nicht fvwm-95, dann biste auch nicht Windows-Like. Am
WindowMaker erinnert mich nicht viel an Windows. Übrings habe ich die
Erfahrung gemacht, das viele Windows-User Windows erwarten, wenn sie
sich an einen Rechner setzen, egal wie inuitiv und ergonomisch das
System für ihre Arbeit ist, sie erwarten einfach Windows.
> > Vielleicht verrate ich Dir ja eine Neuigkeit: aber genau das wird
> > doch getan! Es gibt tausende freie Programme, wo jemand (oder
> > mehrere) selbst etwas eigenes entwickelt haben und die wunderbar
> > effektiv funktionieren. Nur die sind eben anders, teilweise ganz
> > anders, als die 0815-windows DAU-Programme. Weshalb sie von vielen
> > DAUs zunächst garnicht als benutzbare Programme erkannt werden.
>
> Wenn das Programm als solches nicht erkannt wird, liegt das am
> Programm, nicht am User.
Es gibt aber eine Schere zwischen Effizienz und
Ohne-Doku-Bedienbarkeit. Ein System, was ohne Dokumentation bedienbar
ist, hat einen Knopf ohne Beschriftung. Wie willst du damit effizient
arbeiten? Du musst dich schon entscheiden, ob du einfach
Bedienbarkeit oder Mächtigkeit und Effizienz haben willst.
> > Bestes Beispiel: die Shell-Toolchain. Ja, jeder Windowsuser stöhnt
> > erstmal auf: “Da kann man ja garnicht klicken! Ich muß mir ja
> > Optionen merken (nee, muß man nicht, steht alles in der Anleitung,
> > wenn nicht in der Shell-History) und das ist ja von vorgestern.
>
> Ja, ist es auch. Kommandozeilen sind für Admins und Profis vieleicht
> sinnvoll und nötig, aber nicht für den Normalbenutzer. Warum soll ich
> mir denn z.B. etwas merken müssen, was den Computer doch auch genauso
> gut bzw. besser machen könnte? Das ist unergonomisch.
Ich habe mir eine Reihe von Perl-Skripten und
c -Kommandozeilen-Programme geschrieben, die ich in der richtigen
Reihenfolge aufrufe und die dann meine Arbeit tun. Sie bauen
Chemische System auf, die werden dann simuliert und ausgewertet,
anschliessend die Daten visualisiert, entweder als kleines Filmchen
oder als Datenplatt. Alles mit der Kommandozeile. Du wirst mir keine
GUI zeigen können, mit der du das auch nur annähernd so effizient und
flexibel erledigst.
> > Aber
> > es ist etwas eigenes und 100 mal mächtiger als jede Einzelanwendung
> > jemals sein kann. Und sobald man gelernt hat, damit umzugehen, ist es
> > die effizienteste Methode mit einem Rechner zu arbeiten.
>
> Das ist so ‘ne Argumentation wie “Wozu Computer, wo es doch die
> Schreibmaschine gibt.”
Eine Kommandozeile ist keine Schreibmaschine. Eine normale Tastatur
hat 105 Tasten. Wieviele Buttons kannst du sinnvoll in einer Gui
gleichzeitig darstellen, ohne dass die übersicht verloren geht?
Vielleicht 20? 30? Dann ist schluss. Also ist doch die
Informationsdichte der Tastatur viel größer, ergo kann ich auch viel
effizienter damit arbeiten. Natürlich muss ich mir die Befehle
merken, aber es geht doch schliesslich ums arbeiten, nicht darum, ein
Programm einmal im Leben zu benutzen.
> > Sage dem
> > Rechner was Du willst und er tut es.
>
> Das wäre meine Vision von einem guten BS. Du sagst, was Du willst und
> der Rechner tut es.
Schreibe was du willst (c; Klicke, was du willst ist schon wieder
blöd.
> > Und Du hast alle Freiheiten
> > Deine Wünsche zu formulieren und bist nicht auf 20 vorgefertigte
> > Menüeinträge eingeschränkt.
> > Klar, es *will* sich nicht jeder damit beschäftigen. Macht für manche
> > vielleicht auch keinen Sinn. Aber zu behaupten, es gäbe nichts
> > anderes oder besseres als Windows-Apps ist schon ein bischen hart!
>
> Das habe ich nicht behauptet, aber sieh es einfach mal von der
> User-Seite, der sich an den MS-Schrott gewöhnt hat. Wenn der sieht,
> dass er schon wieder tausend Dinge lernen muss, um genau das Gleiche
> zu erreichen/bekommen wird sich natürlich denken, dass dies
> vergeudetet Energie ist.
*zuck* Und? Selber schuld. Ein Computer ist komplex, dass BS dadrauf
nicht weniger. Wie kommen die Leute darauf, dass man ein so flexibles
Gerät ohne Doku intuitiv bedienen kann? Sollen sie sich ne XBox und
einen DVD-Recorder mit Schnittfunktion kaufen, da haben sie mehr von
und überfluten das Internet nicht mit Würmern.
> Damit Linux attraktiv wird muss es einfach sehr viel besser sein. Aus
> sicht des Benutzers speigelt sich das erst einmal in der
> Bedienbarkeit wieder. Und da hat Linux einiges nachzuholen. Leider
> sind die Ergonomie- und Usability-Projekte mehr oder weniger tot.
>
> > > Was mich an der Entwicklung von Linux fasziniert, aber auch ein wenig
> > > stört, ist die Abkehr von einem schlanken, funktionellen System hin
> > > zur grellen, spieletauglichen Kliki-Bunti-Welt, ohne dass man aber
> > > die Funktionalität und Ergonomie gegenüber - man muss es leider schon
> > > fast sagen - dem Vorbild Windows XP wesentlich verbessert hätte.
> >
> > Ähm, das mußt Du jetzt aber mal etwas genauer erläutern! Wo gibt es
> > denn bei Linux eine Abkehr von einem schlanken, funktionellen System?
>
> Mhmm, ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnen, dass Linux mal
> auf Rechnern mit nur 32MB oder 64MB samt X lief. Das kann man heute
> ja total knicken, dank Gnome und KDE. Will man dann vieleicht noch OO
> starten, erst recht.
>
> > Nur weil es immer mehr Software gibt und man bei einer
> > Standardinstallation automatisch mehr Anwendungssoftware installiert
> > bekommt, als man bei Windows je bezahlen könnte (oder mehr als
> > Windows jemals gleichzeitig verkraften würde, ohne daß sich
> > verschiedene Apps mit inkompatiblen DLLs beharken, nebenbei bemerkt)
> > heißt das doch noch lange nicht, daß das *System* weniger schlank
> > wäre. Es steht Dir jederzeit frei, jeglichen graphischen
> > Schnickschnack zu deinstallieren. Dann hast Du immer noch ein
> > wunderbar schlankes System, das locker auf eine 50 MB Partition
> > passt.
>
> Nenne mir eine aktuelle Distrib, bei der man auf einem 48MB-Rechner
> OO o.ä. starten kann.
Slackware? Fli4l? *g* Speck sie doch einfach ab, starte die
Installation im Textmodus, installiere twm, ist noch besser als das
Win3.11, was die Windows-Alternative wäre.
Sascha